Warum kühlt Verdunsten?
Wasser braucht Energie, um vom flüssigen in den gasförmigen Zustand zu wechseln. Bei Sprühnebel holt es sich diese Energie aus der umgebenden Luft, und die Luft wird kälter. Fachlich heißt die Größe Verdampfungsenthalpie, im Alltag spricht man von Verdunstungskälte. Ein Kältegerät gibt es dabei nicht, nur Wasser, Druck und Düsen.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Die Verdampfungsenthalpie von Wasser beträgt bei 25 °C rund 2,441 Kilojoule je Gramm. Ein Liter Wasser wiegt etwa ein Kilogramm, also 1.000 Gramm. Verdunstet er vollständig, entzieht er der Luft rund 2.441 Kilojoule, das sind etwa 0,68 Kilowattstunden. Das ist eine Obergrenze unter der Annahme, dass jeder Tropfen verdunstet, bevor er einen Tisch oder den Boden erreicht. Auf einer offenen Terrasse strömt ständig frische Luft nach, und nicht alles Wasser verdunstet. Wie viel Abkühlung beim Gast ankommt, lässt sich aus der Rechnung nicht ableiten.
Aus der kommunalen Praxis berichtet das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Hitzeservice-Portal, dass versprühtes Wasser die Temperatur im Radius von einem Meter um eine Düse um bis zu 12 °C senken kann. Das gilt unmittelbar an der Düse. Für eine ganze Terrasse ist es kein Richtwert.
Wann wirkt Sprühnebel, und wann nicht?
Entscheidend ist, wie viel Wasserdampf die Luft noch aufnehmen kann. Trockene Luft nimmt viel auf, schwüle Luft kaum. An schwülen Tagen verdunsten die Tröpfchen langsam, erreichen Haut, Tischplatten und Boden, und aus Kühlung wird Nässe. Wind trägt den Nebel aus der Sitzzone, in sehr ruhiger Luft kann er sich dagegen stauen.
Für den Betrieb heißt das: Eine Anlage braucht eine Steuerung, die auf Temperatur, Luftfeuchte und Wind reagiert, und sie muss sich zonenweise abschalten lassen. Eine Anlage, die nur nach Uhrzeit läuft, kühlt an manchen Tagen und durchfeuchtet an anderen.
| Bedingung | Wirkung des Nebels | Folgerung für Planung und Betrieb |
|---|---|---|
| Trockene Hitze, kaum Wind | stark, Tröpfchen verdunsten in der Luft | Betrieb sinnvoll; Düsen so setzen, dass der Nebel vor den Gästen verdunstet |
| Schwüle Tage | schwach, Tropfen erreichen Flächen | Steuerung schaltet ab; Schatten bleibt die wichtigste Maßnahme |
| Böiger Wind | Nebel wird aus der Zone getragen | Windschutz prüfen, Zonen windabgewandt anordnen |
| Windstille, überdachter Bereich | Nebel kann sich stauen, Feuchte steigt | Zonen klein halten, Luftaustausch prüfen |
Brauchen Sie Schatten oder Nebel zuerst?
Sprühnebel senkt die Lufttemperatur, aber nicht die Strahlung. Wer in der prallen Sonne sitzt, spürt die Wärme auf Haut und Kleidung, auch wenn die Luft etwas kühler ist. Ein Großschirm hält die Strahlung ab, der Nebel nimmt die Spitze aus der Luft darunter. Für Gastronomieflächen heißt das: erst die Beschattung planen, dann prüfen, wo Gäste lange sitzen und Nebel zusätzlich Sinn ergibt. Ein Schirm wirkt außerdem an jedem sonnigen Tag, Nebel nur an einem Teil der Tage.
Die Bund/Länder-Empfehlungen für Hitzeaktionspläne von 2017 führen beides nebeneinander auf: Schattenplätze mit Pavillons, Außendächern, Markisen, feststehenden Sonnenschirmen oder Sonnensegeln sowie Befeuchtungsanlagen in Außenanlagen und für Terrassen. Für Schirme von IPOMEA Classic, IPOMEA Tulip und IPOMEA Prisma plant IPOMEA die Nebelkühlung projektbezogen, mit eigenem Wasser-, Spül-, Wartungs- und Hygienekonzept. Leistungswerte gibt es bei uns nur mit Messwerten.
| Maßnahme | Wirkt auf | Grenze |
|---|---|---|
| Schirm oder Segel | Strahlung auf Haut, Möbel und Boden | Die Luft unter dem Dach bleibt warm |
| Sprühnebel | Lufttemperatur an der Kühlzone | Abhängig von Luftfeuchte und Wind, braucht Wasser, Technik und Hygienekonzept |
| Bäume, Begrünung | Strahlung und Verdunstung | Wirkung entsteht erst nach Jahren, Platz im Boden nötig |
Welche Technik gehört zur Sprühnebelanlage?
Sprühnebel ist mehr als eine Düsenleiste, und zur Technik gehört der Betrieb: Düsen verschleißen, Filter setzen sich zu, Sensoren verlieren ihre Genauigkeit. Ein Wartungsvertrag mit festen Intervallen und ein benannter Ansprechpartner für Störungen gehören in die Ausschreibung, nicht erst in die Nachverhandlung. Beschreiben Sie als Betreiber das Ziel statt der Bauteile: Welche Sitzzone soll gekühlt werden, ab welchen Bedingungen, mit welchem Wasseranschluss? Fragen Sie dann bei jedem Angebot nach diesen Bausteinen und danach, wer sie liefert, wartet und im Störfall abschaltet.
- Wasseranschluss und Druckerzeugung: Pumpe oder Druckstation, die zum Leitungsnetz und zur Zahl der Düsen passt
- Filter und Wasseraufbereitung: Kalk verstopft Düsen und lagert sich auf Möbeln ab, die Härte Ihres Wassers beim Versorger erfragen
- Düsen und Leitungen: Höhe und Abstand zu Tischen und Speisen, Befestigung ohne Tropfstellen
- Steuerung und Sensorik: Zonen, Takt, Abschaltung bei hoher Luftfeuchte und starkem Wind
- Entleerung und Frostschutz: Leitungen bei Stillstand entleeren oder frostsicher verlegen
- Strom, Abfluss und Bodenbelag: Stromanschluss für die Pumpe, Rutschfestigkeit bei Restfeuchte
Welche Rolle spielen Wasserqualität und Hygiene?
Je feiner der Nebel, desto eher entsteht ein Aerosol, das Gäste einatmen. Das Robert Koch-Institut beschreibt als üblichen Infektionsweg bei Legionellen das Einatmen eines fein zerstäubten, legionellenhaltigen Wassernebels. Ausbrüche standen demnach meist mit Aerosol-emittierenden Verdunstungskühlanlagen in Verbindung. Legionellen finden nach dem RKI bei 25 bis 45 °C ideale Wachstumsbedingungen, unter 20 °C vermehren sie sich nicht mehr nennenswert. Stagnation und Totleitungen können die Keimzahlen erhöhen.
Für die Planung folgt daraus: Leitungen so führen, dass kein Wasser stehen bleibt, und so, dass sie sich in der Sonne nicht aufheizen. Das ist eine Planungsfolgerung aus den RKI-Angaben, keine Normvorgabe. Legen Sie Spülzyklen, Entleerung bei Stillstand, Wartungsintervalle und ein Betriebsbuch schriftlich fest, und sprechen Sie das Konzept früh mit dem Gesundheitsamt ab. Auf Pauschalzusagen zur Keimfreiheit sollten Sie bei jedem Anbieter verzichten, auch bei uns.
Brauchen Sie eine Genehmigung?
Die 42. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz gilt für Anlagen, in denen Wasser verrieselt oder versprüht wird oder anderweitig in Kontakt mit der Atmosphäre kommen kann, darunter Verdunstungskühlanlagen. Der Auslegungskatalog der Länder beschreibt eine Verdunstungskühlanlage als Anlage, bei der durch Verdunstung von Wasser Wärme an die Umgebungsluft abgeführt wird. Ob eine Sprühnebelanlage auf einer Terrasse darunter fällt, ist eine Einzelfallfrage für die zuständige Immissionsschutzbehörde. Wir geben dazu keine Rechtsauskunft.
Beachten Sie zwei Hinweise aus dem Auslegungskatalog: Wer behauptet, seine Anlage falle nicht unter die Verordnung, muss das für die konkrete Einbausituation darlegen, und Bescheinigungen von Anbietern, die den Einbauort nicht berücksichtigen, genügen dafür nicht. Unabhängig davon brauchen Terrassen im öffentlichen Raum oft eine Sondernutzung und Bauteile am Gebäude eine baurechtliche Prüfung. Mehr dazu im Ratgeber zur Genehmigung der Außengastronomie.
Welche Fehler lassen sich bei Sprühnebel vermeiden?
Viele Probleme mit Sprühnebel entstehen schon vor der Inbetriebnahme. Diese Punkte kommen in der Planung gewerblicher Terrassen immer wieder vor.
- Nebel statt Schatten: Die Anlage soll eine Fläche in der prallen Sonne kühlen, die Beschattung fehlt
- Düsen über Speisen und Tischen, sodass Tropfen statt Nebel ankommen
- Keine Abschaltung bei Schwüle oder Wind, Gäste und Möbel werden nass
- Stehendes Wasser in Leitungen, die in der Sonne liegen oder nach Betriebsende nicht entleert werden
- Kein Frostschutz: Leitungen und Pumpe überstehen den ersten Winter nicht
- Kein Betreiber benannt: Wartung, Spülung und Dokumentation hat niemand übernommen
Wie gehen Sie bei der Planung vor?
Rechnen Sie bei der Wirtschaftlichkeit nicht nur mit der Anschaffung. Wasserverbrauch, Strom für die Pumpe, Filterwechsel, Wartung und die Entleerung im Herbst gehören in die Kalkulation. Prüfen Sie außerdem ehrlich, an wie vielen Tagen im Jahr Ihre Lage trocken und warm genug ist. Ein guter Anhaltspunkt sind die Hitzetage der letzten Sommer, an denen Ihre Terrasse trotz Schirmen leer blieb: Auf diese Tage kommt es für den Nutzen des Nebels an. Ein sinnvoller Ablauf beginnt mit dem Schatten und endet mit der Betriebsregel. Planen Sie in dieser Reihenfolge:
- Sitzbereiche, Aufenthaltszeiten und Sonnenverlauf erfassen, Beschattung festlegen
- Prüfen, ob die Lage trocken genug und windgeschützt genug für Nebel ist
- Wasseranschluss, Wasserhärte, Strom und Abfluss am Standort klären
- Hygienekonzept mit Spülung, Wartung und Betreiber schriftlich festlegen
- Behörden früh einbinden: Immissionsschutz, Gesundheitsamt, bei öffentlichem Grund die Sondernutzung
- Vor und nach der Inbetriebnahme Temperatur, Luftfeuchte und Wind messen und dokumentieren
Fazit
Sprühnebel macht eine Terrasse an trockenen Hitzetagen angenehmer, wenn Schatten, Technik, Hygiene und Abschaltlogik zusammenpassen. Beginnen Sie mit der Beschattung und prüfen Sie danach, in welchen Zonen Gäste lange sitzen und Nebel einen Unterschied macht.



