Was einen Biergarten für Schirme schwierig macht
Ein Biergarten ist für einen Schirm kein Terrassenboden. Statt Beton liegt Kies oder Rasen unter den Tischen, die Fläche ist groß, die Bestuhlung wechselt mit dem Wetter, und über den Plätzen stehen oft alte Bäume. Der Wind kommt in Böen durch die Kronen, und der Betrieb läuft bis in den späten Abend. Jeder dieser Punkte wirkt auf die Planung: Gründung, Schirmgröße, Abstände, Licht und die Frage, wer bei Wind welchen Schirm schließt.
Planen Sie deshalb vom Boden und vom Betrieb aus: Was trägt im Untergrund, wo dürfen Fundamente hin, und wie viele Schirme kann Ihr Team an einem vollen Samstag sichern? Erst danach lohnt der Blick auf Größe und Zubehör.
Gründung auf Kies, Rasen und Pflaster
Welche Befestigung passt, hängt am Untergrund. Eine Bodenhülse wird im Betonfundament einbetoniert, das Hülsen-Oberteil lässt sich abschrauben, und eine Abdeckscheibe dient als Winterabdeckung. Das ist die Lösung für feste, wiederkehrende Standorte. Bodenschraubanker gründen den Schirm ohne Betonfundament; es gibt sie in 1,6 und 2,1 Metern Länge. Bis Bodenklasse 4 lassen sie sich mit einer Standard-Eindrehmaschine setzen, höhere Bodenklassen brauchen eine Spezialmaschine. Das Eindrehen übernimmt eine Fachfirma, und die Leitungsfreiheit müssen Sie vor dem Auftrag schriftlich bestätigen.
Beim Wind sind die IPOMEA-Planungswerte eng gefasst: Schraubanker mit Hülsen-Oberteil sind für die Bodenklassen 3 bis 7 und Windstärke 4 berechnet. Das ist ein niedriger Wert nach Beaufort und kein Sturmnachweis. Für Ihren Standort braucht es deshalb eine projektspezifische Statik, besonders bei großen Schirmen und in offenen Lagen.
Standrahmen sind mobile Lösungen: Sie werden mit Betonplatten beschwert und kommen ohne Eingriff in den Boden aus. Auf lockerem Kies fehlt ihnen der ebene, tragfähige Stand. Fahrbare Ausführungen sind außerdem windempfindlich und dürfen bei Wind oder geöffnetem Schirm nicht verfahren werden.
| Untergrund | Mögliche Befestigung | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Kies oder Rasen, dauerhafte Plätze | Bodenhülse im Fundament, Bodenschraubanker | Leitungen vorab klären; Schraubanker nur durch Fachfirma; Statik für den Standort |
| Gepflasterte oder betonierte Inseln | Bodenhülse, Ankerplatte | Aufbau und Tragfähigkeit prüfen; Aufbruch im Belag einplanen |
| Saisonale Aufstellung | Bodenhülse mit Steck-Oberteil (Bajonett) | täglicher Auf- und Abbau ohne Werkzeug möglich |
| Wechselnde Plätze | Standrahmen mit Ballast | nur auf ebenem, festem Grund; nicht bei Wind verfahren |
| Wurzelbereich alter Bäume | Absprache mit Behörde und Baumpflege | Fundamente und Gräben im Wurzelraum früh klären |
Bäume und Wurzelraum
Biergärten leben von ihren Bäumen, und genau dort wird gegraben. Das Münchner Merkblatt für Freischankflächen (Stand Juni 2025) verlangt, vorhandene Bäume im Plan mit Bezeichnung und Stammumfang anzugeben und die Art der Bodenbefestigung im Wurzelbereich zu beschreiben. Das ist ein Münchner Beispiel; andere Städte haben eigene Baumschutzregeln, die Sie bei Ihrer Gemeinde erfragen.
Zeichnen Sie Schirmstandorte und Baumscheiben in denselben Plan, bevor Sie Fundamente festlegen. Ob ein Fundament oder ein Schraubanker im Wurzelbereich in Frage kommt, entscheiden Behörde und Baumpflege, nicht der Schirmanbieter. Oft genügt es, einen Standort zu verschieben.
Bäume wirken noch auf einem zweiten Weg: Beim Schließen hebt das Teleskopsystem von IPOMEA Classic und Classic Pro das Schirmdach nach oben. Dafür muss über dem Schirm Raum bleiben, tief hängende Äste stören. Laub, Harz und Vogelkot verschmutzen die Bespannung; wie Sie sie reinigen, steht im Ratgeber zur Pflege.
Größe und Raster: ein Rechenbeispiel
Planen Sie nach Tischgruppen, nicht nach der Gästezahl. Ein quadratischer Classic 4 × 4 m beschattet 16 m², ein Classic 5 × 5 m 25 m² und ein Classic Pro 6 × 6 m 36 m². Quadratische Schirme lassen sich ohne Lücken zu Reihen setzen, runde lassen Zwischenräume.
Rechenbeispiel mit eigener Annahme: Ein Streifen von 24 m Länge und 4 m Breite lässt sich mit sechs Schirmen zu 4 × 4 m lückenlos belegen. Das ergibt 6 × 16 m² = 96 m² beschattete Fläche. Stellen Sie die Schirme auf Standrahmen, nennen wir für Classic 4 × 4 m einen Mindestballast von zwei Lagen Betonplatten, rund 240 kg je Schirm. Bei sechs Schirmen sind das 1.440 kg Platten, die jemand liefern, legen und im Herbst wieder bewegen muss. Mit Bodenhülse entfällt dieser Ballast; dafür entsteht pro Schirm ein Fundament von 75 × 75 × 60 cm. Beide Werte gelten für diese Größe.
Jeder Schirm muss sich öffnen und schließen lassen, ohne den Nachbarn zu berühren, und Servicewege für Bedienung und Gäste müssen frei bleiben. Prüfen Sie das am Grundriss, nicht erst auf der Baustelle.
Wind: Wer schließt wann?
Schirme in dichter Reihe wirken im Wind wie eine gemeinsame Fläche, und das Biergartenwetter schlägt schnell um. Wir schreiben ausdrücklich, dass bei aufkommendem Wind der Betreiber die Schirme in Eigenverantwortung schließen und mit Zurrgurt sichern muss. Einen allgemeingültigen Wert, ab dem geschlossen wird, gibt es nicht; maßgeblich sind Bedienungsanleitung, Angebot und die Warnungen des Wetterdienstes. Mehr zu Windwerten und ihren Grenzen steht im Ratgeber zu windfesten Schirmen.
Ein Windsensor unterstützt nur. Er sendet dem Rohrmotor das Schließsignal; der Grenzwert ist zwischen 10 und 50 km/h einstellbar, die Einfahrverzögerung beträgt 3 Sekunden, die Sperrzeit etwa 10 Minuten. Montieren Sie ihn an der exponiertesten Stelle nah an den Schirmen. Rohrmotoren gibt es für Classic und Classic Pro. Wer häufig fährt, sollte den Thermoschutz kennen: Bei 20 °C schaltet der Motor nach mehreren Fahrten ab (Classic nach 3 Wegen, Classic Pro nach 1,5 Wegen) und lässt sich dann etwa 12 Minuten nur mit der Handkurbel bedienen, bei 30 °C bis zu 30 Minuten.
Legen Sie den Ablauf schriftlich fest: Wer beobachtet das Wetter, bei welcher Warnung wird geschlossen, wer übernimmt welche Reihe, und wo liegen die Zurrgurte? Gäste unter einem Schirm, der schließen muss, brauchen eine Ansage und einen Ausweichplatz.
Abendbetrieb: Licht, Strom, Heizung
Biergärten laufen in den Abend, und ohne Licht endet der Betrieb mit der Dämmerung. LED-Leisten an der Speichenunterseite geben warmweißes Licht mit 2.700 Kelvin und sind per Bluetooth-Funkdimmer dimmbar. Der Strom kommt unterirdisch durch Bodenhülse und Mast; die Installation führt eine Elektrofachkraft mit FI-Schutzschalter und Leistungsautomat aus. Auf Kies und Rasen spricht das für die Bodenhülse: Das Leerrohr wird vor dem Betonieren verlegt, spätere Gräben im Wurzelbereich entfallen.
Der Rohrmotor ist mit LED kombinierbar, nicht mit Heizstrahlern. Ob Heizstrahler überhaupt erlaubt sind, regelt Ihre Stadt; in München sind sie nach dem Merkblatt auf Freischankflächen nicht zulässig. Klären Sie das, bevor Sie Elektro und Schirmtyp festlegen.
Betriebszeiten und Lärm am Beispiel Bayern
In Bayern regelt die Biergartenverordnung die Zeiten für Biergärten in der Nachbarschaft von Wohnbebauung. Die Tageszeit gilt von 7 bis 23 Uhr. Musik endet spätestens um 22 Uhr, die Ausgabe von Speisen und Getränken spätestens um 22:30 Uhr, und die Betriebszeit ist so zu beenden, dass der zurechenbare Straßenverkehr bis 23 Uhr abgewickelt ist. Als Richtwerte tagsüber nennt § 2 der Verordnung 65 dB(A) in Misch-, Kern- und Dorfgebieten, 60 dB(A) in allgemeinen Wohngebieten und 55 dB(A) in reinen Wohngebieten.
Die zuständige Behörde kann bei besonderen Umständen abweichende Regelungen treffen. In anderen Bundesländern gelten andere Regeln; fragen Sie Ihr Ordnungsamt, ob und wie die Verordnung für Ihren Garten gilt. Wir geben keine Rechtsberatung. Für die Schirmplanung heißt das: Licht und Heizung schaffen Atmosphäre, verlängern aber nicht die erlaubte Betriebszeit.
Saisonstart, Saisonende und typische Fehler
Zum Saisonende schrauben Sie das Hülsen-Oberteil ab und setzen die Abdeckscheibe ein, oder Sie bauen Schirme mit Steck-Oberteil komplett zurück. Die Bespannung wird gereinigt, trocken verpackt und in der mitgelieferten Schutzhülle gelagert. Zum Saisonstart prüfen Sie Kurbel, Haken und Gelenke per Sichtkontrolle. Diese Fehler kommen in der Planung von Biergärten immer wieder vor:
- Fundamente und Leitungen geplant, bevor der Kies verteilt ist
- Schraubanker ohne schriftliche Bestätigung der Leitungsfreiheit gesetzt
- Standrahmen auf unebenem Kies und ohne Windregel
- Astfreiheit über dem Schirm nicht geprüft
- kein Verantwortlicher für das Schließen an vollen Tagen
- Heizstrahler bestellt, ohne die Regeln der Stadt zu kennen
Fazit
Entscheidend ist die Gründung: Wer Untergrund, Wurzelraum und Wind kennt, wählt die passende Befestigung und legt fest, wer bei Wetterumschlag schließt. Das Raster und das Zubehör ergeben sich daraus. Ein Plan Ihres Gartens mit Bäumen und Bodenaufbau ist die Grundlage, damit wir Größe, Gründung und Statik für Ihre Anfrage prüfen können.


