Was ist ein kühler Ort?
Ein kühler Ort ist ein Platz im Stadtraum, an dem Menschen an Hitzetagen verweilen können. In den Bund/Länder-Empfehlungen für Hitzeaktionspläne tauchen solche Treffpunkte als Maßnahme auf: Schirme zusammen mit Trinkwasser, gut auffindbar und in der Warnkette benannt. Dazu kommen Schattenplätze, Trinkwasserspender im öffentlichen Raum und kühle Räume.
Dieser Ratgeber behandelt die Orte im Freien, also Plätze, Haltestellen, Schulhöfe und Wege. Dort entscheidet sich, ob Menschen an heißen Tagen draußen bleiben können.
Warum brauchen Städte kühle Orte?
Der Deutsche Wetterdienst beschreibt die städtische Wärmeinsel als Lufttemperaturunterschied zwischen der meist wärmeren Stadt und dem kühleren Umland. Er kann in großen Städten und Ballungsgebieten bis zu 10 Kelvin betragen, die mittlere Wärmeinselintensität liegt bei den meisten deutschen Städten zwischen 2 und 4 Kelvin. Am stärksten ist der Unterschied nachts bei wolkenfreiem, windschwachem Wetter. Vegetation und natürlicher Boden, die normalerweise kühlen, fehlen, an ihre Stelle treten stark versiegelte Flächen.
Hitze belastet vor allem ältere Menschen, Vorerkrankte und Kleinkinder. Der Wetterdienst warnt vor starker Wärmebelastung, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag über etwa 32 °C steigt und die Räume nachts nicht mehr ausreichend auskühlen. Vor extremer Belastung warnt er ab 38 °C, für ältere Menschen ab 36 °C. Wer mittags eine Haltestelle, einen Markt oder einen Schulhof nutzt, braucht deshalb Orte, an denen die Hitze nachlässt.
Woran erkennen Sie einen kühlen Ort?
Aus den Handlungsempfehlungen für Hitzeaktionspläne und den Beispielen der Kommunen lassen sich sechs Kriterien ableiten. Sie helfen bei der Auswahl neuer Orte und beim Prüfen der vorhandenen.
| Kriterium | Was zählt | Beispiel |
|---|---|---|
| Schatten | Schatten dort, wo sich Menschen aufhalten, vor allem Risikogruppen | Großschirme und Segel über Sitzplätzen und Wartebereichen |
| Sitzen und Zugang | Sitzmöglichkeiten und stufenloser Zugang | Schirme und Pavillons vor Pflegeeinrichtungen |
| Trinkwasser | Trinkwasserspender im öffentlichen Raum | Schirme zusammen mit Trinkwasser |
| Auffindbarkeit | Der Ort steht in Karten, Listen und Hinweisen | Mannheim hinterlegt kühle Orte auf Geoportalen, Webseiten und Stadtplänen |
| Warnkette | Der Ort ist benannt und an die DWD-Warnstufen gekoppelt | Bei einer Hitzewarnung stehen die Orte bereit |
| Betrieb | Betreiber und Betriebsregel für Aufbau, Sturm und Winterlager | Betriebsbeschreibung je Ort |
Welche Bausteine machen einen Ort kühler?
Das Umweltbundesamt zählt die Verschattung von Plätzen, die Fassadenbegrünung, das Pflanzen von Bäumen und die Entsiegelung von Flächen zu den Bausteinen der Hitzeprävention in Städten. Keine Maßnahme löst das Problem allein. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält fest, dass es einige Zeit dauert, bis Bäume ihre volle Größe und Wirkung entfalten. Sinnvoll ist deshalb ein Paket, das kurzfristige und langfristige Wirkung verbindet.
| Baustein | Wirkung | Zeitraum |
|---|---|---|
| Bäume pflanzen | Schatten und Verdunstung | wirkt, wenn die Krone ausgewachsen ist |
| Entsiegeln und Begrünen | weniger Aufheizung, Wasserrückhalt, geringere UV-Reflexion | mittelfristig |
| Schirme und Segel | sofort Schatten am Aufenthaltsort | kurzfristig |
| Nebelduschen, Trinkbrunnen | punktuelle Abkühlung | kurzfristig |
Wo Beschattung zuerst einen kühlen Ort schafft
Schatten wirkt dort zuerst, wo viele Menschen länger verweilen und wenig Schatten finden: Märkte, Haltestellen, Spielplätze, Schulhöfe und Wege zu Pflegeeinrichtungen. Ein Großschirm gibt sofort Schatten und lässt sich später an Bäume und Umbauten anpassen. Die Tabelle zeigt, welche Systeme sich an welchem Ort eignen und was die Planung dort klärt.
| Ort | Beschattung | Was die Planung klärt |
|---|---|---|
| Marktplatz, Fußgängerzone | Großschirme, Segel | Standsicherheit, Wind, Rettungswege und Lieferverkehr |
| Haltestelle, Wartebereich | Schirm, Dach | Abstand zur Fahrbahn, Sicht auf den Verkehr |
| Spielplatz, Schulhof | Segel, Schirme | Sandflächen und Sitzbereiche zuerst, Aufsicht |
| Vor Pflegeeinrichtungen | Schirme, Pavillons | stufenloser Zugang, Sitzmöglichkeiten |
| Treffpunkt für kühle Orte | Schirme zusammen mit Trinkwasser | gut auffindbar, in der Warnkette benannt |
Worauf kommt es bei Schirm und Segel an?
Für schnell installierbare Beschattung gibt das Bundesamt für Strahlenschutz vier praktische Hinweise, die sich auf den Stadtraum übertragen lassen. Je größer der Durchmesser, desto mehr Personen und Fläche werden beschattet. Ein Schirm schützt, solange die Fläche im Schatten liegt, deshalb folgt er dem Sonnenstand oder steht von vornherein so, dass die Sonne mittig verdeckt wird. Der Stoff ist dicht gewebt oder nach einem anerkannten Standard geprüft, etwa mit UPF 80 nach dem UV Standard 801. Einrollbare Segel und verschiebbare Pavillons lassen sich dem Wetter anpassen.
Soll der Schatten auch bei Regen nutzbar sein, bietet sich ein wasserführender Trichterschirm wie der IPOMEA Tulip an: Das Regenwasser läuft zur Schirmmitte und von dort in eine Drainage, einen Regenwasserspeicher oder zu einem Bodenablauf. Für den Standort liefern wir Ihrem Tragwerksplaner alle Lastwerte und Unterlagen und stimmen uns mit ihm ab.
Wie machen Städte kühle Orte bekannt?
Das Umweltbundesamt beschreibt in seinem Beitrag zum Thema, wie Städte vorgehen. Mannheim gilt als Pionierin: Auf Geoportalen, Webseiten und Stadtplänen sind kühle Orte hinterlegt. Dortmund erstellte eine Broschüre für Hitzehelfer und richtete ein Hitzetelefon ein.
Ein beschatteter Platz wirkt, wenn die Menschen, für die er gedacht ist, ihn kennen und erreichen können. Die Handlungsempfehlungen sehen deshalb vor, beschattete Orte bekannt zu machen und Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und das Gastgewerbe bei einer Hitzewarnung aktiv zu benachrichtigen. Nehmen Sie neue Schattenorte in dieselben Karten, Listen und Hinweise auf wie Trinkwasserstellen und kühle Räume. Wie das in einen kommunalen Plan passt, beschreibt der Ratgeber Hitzeaktionsplan.
Was leistet Nebel an einem kühlen Ort?
Eine Nebeldusche kühlt im öffentlichen Raum punktuell. Das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Hitzeservice-Portal nennt Temperaturreduzierungen von bis zu 12 °C im Radius von einem Meter um eine Düse. Das gilt für die unmittelbare Nähe der Düse. Die Wirkung hängt von Luftfeuchte und Wind ab: Je trockener und wärmer die Luft, desto besser funktioniert die Verdunstungskälte.
Die Stadt Wien betreibt in den Sommermonaten rund 100 Sprühnebelduschen auf Hydranten, die von Juni bis September bei Temperaturen ab 30 Grad für Abkühlung sorgen, dazu Nebel-Stelen an 14 Standorten, die sich bei hohen Temperaturen automatisch einschalten.
Nebel ergänzt den Schatten. Ein Schirm oder Segel senkt die Strahlung im gesamten Aufenthaltsbereich, die Nebeldusche kühlt punktuell. Sinnvoll ist die Reihenfolge: Schatten für den Aufenthalt, Nebel für den Moment der Abkühlung. IPOMEA entwickelt die Kombination aus Schirm und Nebelkühlung als eigenes Projekt, plant sie mit einem Wasser-, Spül-, Wartungs- und Hygienekonzept und nennt dazu noch keine Leistungswerte. Mehr dazu auf der Seite Sonnenschirm mit Kühlung und im Ratgeber Nebeldusche für Städte und Gemeinden.
Wie finden Sie die Orte, die Schatten zuerst brauchen?
Die IPOMEA Hitzeanalyse zeigt per Heatmap, wo sich Plätze, Schulhöfe und Terrassen aufheizen und wie der Schatten über den Tag wandert. Wärme, fehlender Schatten, Einstrahlung und Nutzung ergeben eine Rangfolge der Prüfzonen. Sie ist ein Screening auf offenen Kartendaten und keine Messung.
Wie stark der Schatten wandert, zeigt das Beispiel Marienplatz in München. In der Modellrechnung für einen klaren Sommertag liegen um 10 Uhr 42 % der lokalen Fußwege ohne Schatten, um 14 Uhr 52 % und um 18 Uhr 32 %. Es sind Modellwerte für klaren Himmel. Mit solchen Karten entscheiden Sie, welche Orte zuerst Schatten bekommen.
Was IPOMEA für kühle Orte liefert
Für den Baustein Beschattung liefert IPOMEA die technische Grundlage: Ortsbegehung, Fotomontage auf Ihrem Foto, Angebot mit Einzelpositionen, Lastwerte und Unterlagen für Ihren Tragwerksplaner und eine Betriebsbeschreibung. Wo ein Platz mehr braucht als einen Schirm, gibt es die Klimainsel-Module in drei Grundflächen (2,5 × 2,5 m, 2,5 × 5 m und 3 × 6 m), ausstattbar mit integrierten Sitzbänken, Pflanztrögen und Rankwänden, indirektem LED-Licht und auf Wunsch adiabater Sprühnebel-Kühlung. Schirme mit integrierter Sitzbank finden Sie unter Urbane Schattenmodule.
Welche Lösung zu welchem Platz passt, zeigt die Seite Hitzeschutz für Städte und Gemeinden.
Fazit
Ein kühler Ort entsteht aus Schatten, Sitz, Trinkwasser und Auffindbarkeit, und er wirkt, wenn ihn jemand betreibt und die Warnkette ihn kennt. Beschattung gibt dem Platz sofort Schatten und schafft Zeit, bis Bäume und Entsiegelung ihre Wirkung entfalten.



