Warum sind Innenstädte heißer als das Umland?

Der Deutsche Wetterdienst beschreibt die städtische Wärmeinsel als Lufttemperaturunterschied zwischen der meist wärmeren Stadt und dem kühleren Umland. Er kann in großen Städten und Ballungsgebieten bis zu 10 Kelvin betragen, die mittlere Wärmeinselintensität liegt bei den meisten deutschen Städten zwischen 2 und 4 Kelvin. Am stärksten ist der Unterschied nachts bei wolkenfreiem, windschwachem Wetter. Tagsüber sind die Unterschiede geringer, deshalb ist die Zahl der Heißen Tage nur wenig erhöht, die Zahl der Tropennächte aber in Städten deutlich höher als im Umland.

Als Ursachen nennt der Wetterdienst die Gebäudegeometrie, die thermischen Eigenschaften der Bausubstanz, die Strahlungseigenschaften der Oberflächen und die Wärmefreisetzung durch Hausbrand, Verkehr und Industrie. Vegetation und natürlicher Boden, die normalerweise kühlen, fehlen, an ihre Stelle treten stark versiegelte Flächen. Der Wetterdienst weist auch auf eine Rückkopplung hin: Der erhöhte Einsatz von Klimaanlagen führt die Abwärme in den Straßenraum und heizt die Stadt weiter auf.

Was bedeutet Hitze für die Menschen in der Stadt?

Hitze belastet vor allem ältere Menschen, Vorerkrankte und Kleinkinder. Das Robert Koch-Institut schätzt die hitzebedingten Sterbefälle für die Sommer 2023, 2024 und 2025 auf rund 3.200, 3.000 und 2.500 für Deutschland, den größten Anteil stellen Menschen ab 75 Jahren. Der Wetterdienst warnt vor starker Wärmebelastung, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag über etwa 32 °C steigt und die nächtliche Auskühlung nicht mehr ausreicht, und vor extremer Belastung ab 38 °C. Für ältere Menschen gilt die extreme Belastung bereits ab 36 °C.

Für den öffentlichen Raum zählt dabei der Alltag, nicht nur der Extremtag: Wer mittags eine Haltestelle, einen Markt oder einen Schulhof ohne Schatten nutzen muss, ist an jedem Hitzetag belastet. Die fehlende Abkühlung in der Nacht verschärft das, weil sich der Körper im Schlaf kaum erholen kann.

Was verlangt das Klimaanpassungsgesetz von Kommunen?

Das Bundes-Klimaanpassungsgesetz verpflichtet Träger öffentlicher Aufgaben, bei ihren Planungen und Entscheidungen die Klimaanpassung zu berücksichtigen und nennt dabei ausdrücklich die Erzeugung oder Verstärkung eines lokalen Wärmeinsel-Effekts. Verdunstungs- und Versickerungsflächen sollen so weit wie möglich erhalten werden. Was das für Ihre Planung bedeutet und welche Rolle ein kommunales Konzept spielt, beschreibt der Ratgeber zur Klimaanpassung in Kommunen.

Welche Maßnahmen helfen gegen Hitze in der Stadt?

Das Umweltbundesamt zählt die Verschattung von Plätzen, die Fassadenbegrünung, das Pflanzen von Bäumen und die Entsiegelung von Flächen zu den Bausteinen der Hitzeprävention in Städten. Keine Maßnahme löst das Problem allein. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält zu Bäumen fest, dass es einige Zeit dauert, bis sie ihre volle Größe und Wirkung entfalten, und dass Anschaffung und Pflege höheren Aufwand verursachen. Sinnvoll ist deshalb ein Paket, das kurzfristige und langfristige Wirkung verbindet.

MaßnahmeWirkungZeitraumHinweis
Bäume pflanzenSchatten und Verdunstungwirkt erst, wenn die Krone ausgewachsen istPlatz im Boden, Leitungen, Pflege
Entsiegeln und Begrünenweniger Aufheizung, Wasserrückhalt, geringere UV-ReflexionmittelfristigBauarbeiten, Flächenverfügbarkeit
Schirme und Segelsofort Schatten am AufenthaltsortkurzfristigStandsicherheit, Betrieb, Lagerung
Nebelduschen, Trinkbrunnenpunktuelle AbkühlungkurzfristigWasserqualität, Hygiene, Betrieb

Wo hilft Beschattung zuerst?

Beginnen Sie dort, wo viele Menschen länger verweilen und wenig Schatten finden: Märkte, Haltestellen, Spielplätze, Schulhöfe und Wege zu Pflegeeinrichtungen. Ein Großschirm schafft sofort Schatten und lässt sich später an Bäume und Umbauten anpassen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält Bepflanzung für einen guten UV-Schutz und die Kombination mit Sonnenschirmen, Sonnensegeln oder Pavillons für einen hervorragenden.

  • Orte mit hoher Aufenthaltsdauer und geringer Beschattung erfassen
  • Schattenverlauf über den Tag prüfen, am besten mit einer Fotomontage auf Ihrem Foto
  • Standsicherheit und Wind am Standort klären
  • Wartung, Schließen bei Sturm und Winterlager zuweisen
  • Förderung prüfen, bevor Sie beauftragen

Worauf kommt es bei Schirm, Segel oder Baum an?

Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt für schnell installierbare Beschattung vier praktische Hinweise, die sich auf den Stadtraum übertragen lassen. Erstens die Größe: Je größer der Durchmesser, desto mehr Personen und Fläche werden beschattet, in der Mitte des Schattens ist die UV-Bestrahlungsstärke am stärksten reduziert. Zweitens die Ausrichtung: Ein Schirm schützt nur, solange die zu beschattende Fläche im Schatten liegt, deshalb muss er dem Sonnenstand folgen oder von vornherein so stehen, dass die Sonne mittig verdeckt wird. Drittens der Stoff: Er sollte dicht gewebt oder nach einem anerkannten Standard geprüft sein, ein UPF von 80 ist der höchste, den das Hohenstein Institut nach dem UV Standard 801 vergibt. Viertens die Flexibilität: Einrollbare Segel und verschiebbare Pavillons lassen sich dem Wetter anpassen.

Für den dauerhaften Einsatz kommen drei Fragen hinzu, die im Stadtraum den Ausschlag geben: Welche Last entsteht durch Wind, und wie wird sie über Befestigung und Untergrund abgeleitet? Soll der Schatten auch bei Regen nutzbar sein, etwa mit einem wasserführenden Trichterschirm wie dem IPOMEA Tulip? Und wer schließt, lagert und kontrolliert die Schirme? Stützen Sie die Auswahl auf einen Nachweis für den konkreten Standort, nicht auf einen pauschalen Wert.

Wie wird aus einem Einzelort ein Konzept?

Einzelmaßnahmen wirken stärker, wenn sie in ein Konzept eingebettet sind. Hitzeaktionspläne und kommunale Klimaanpassungskonzepte legen fest, welche Orte Priorität haben und wer zuständig ist. Beschattung kann als erster, sichtbarer Schritt in diesen Plan aufgenommen werden, mit Ort, Betreiber und Betriebsregel. Mehr dazu in den Ratgebern zum Hitzeaktionsplan und zur Klimaanpassung in Kommunen; zur Frage, welche Programme Beschattung als Baustein einschließen können, hilft die Seite zur Förderung.

Fazit

Hitzeschutz in der Innenstadt braucht Bäume und Entsiegelung für die kommenden Jahre und Beschattung für die kommenden Sommer. Schirme und Segel schließen die Lücke dazwischen, wenn sie am richtigen Ort stehen, dem Sonnenstand folgen und ein Betreiber sich um sie kümmert.