Was am 1. Dezember 2023 beobachtet wurde
Auf einem geöffneten IPOMEA Classic in der Größe 4 × 4 m sammelte sich 11 Zentimeter hoher nasser Schnee. Der Schirm hielt der Last stand.
Es handelt sich um die Beobachtung einer einzelnen Situation. Es gibt keinen Prüfbericht und keinen Statiknachweis für Schneelast. Begriffe wie „Extremtest“, „robust“ oder „ganzjahrestauglich“ leiten wir daraus nicht ab. Wer Schirme im Winter betreibt, sollte die Beobachtung als Hinweis lesen, dass ein Schirm eine Schneeauflage in dieser Höhe unter diesen Bedingungen überstehen kann, und nicht als Zusage.
Was unterscheidet eine Beobachtung von einer Prüfung?
Eine belastbare Aussage zur Schneelast braucht dokumentierte Angaben. Ohne sie lässt sich die Beobachtung nicht auf andere Konfigurationen übertragen. Das gilt für jeden Schirm, nicht nur für unseren: Ein Foto mit Schnee auf dem Dach beantwortet nicht, was bei mehr Schnee, größerer Fläche oder anderem Wind passiert.
- Modell, Größe und Bespannung
- Befestigung und Untergrund
- Schneezustand (locker, nass, verharscht) und Lasthöhe
- Dauer der Belastung
- Messverfahren und Dokumentation
- Wind während der Belastung
Wie wird aus Schnee eine Last für den Schirm?
Nasser Schnee wiegt deutlich mehr als lockerer Pulverschnee, und die Last wirkt auf die Speichen und den Mast. Bleibt Schnee über Tage liegen, kann er verharschen und die Last steigt. Hinzu kommt der Wind: Er verweht Schnee ungleichmäßig, sodass eine Seite des Schirmdachs stärker belastet wird als die andere.
Für Bauwerke regelt die Normenreihe Eurocode 1 die Einwirkungen. Teil 1-3 behandelt Schneelasten, Teil 1-4 Windlasten. Für einen festen Aufbau legt ein Tragwerksplaner die Schneelast für den Standort fest und weist nach, dass Konstruktion und Befestigung sie tragen. Für Schirme, die geschlossen werden können, gilt die einfachere Regel des Betriebs: Wo Schnee droht, gehört der Schirm geschlossen oder geräumt, sofern die Unterlagen der Ausführung nichts anderes freigeben.
Wie teilt der Wetterdienst Schneefall ein?
Der Deutsche Wetterdienst unterscheidet bei Warnungen im Flachland unter anderem Schneefall mit 5 bis 10 Zentimetern in sechs Stunden und starken Schneefall mit 10 bis 20 Zentimetern in sechs Stunden. Das zeigt, wie schnell sich bei Wintereinbrüchen Lasten aufbauen können. Es sagt nichts über die Tragfähigkeit eines bestimmten Schirms.
Eine eigene Warnstufe gibt es für Schneeverwehungen: Sie gilt, wenn Neuschnee oder eine lockere Schneedecke von 5 bis 10 Zentimetern auf wiederholte Böen der Stärken 6 oder 7 trifft. Für Terrassen am Gebäude heißt das: Schnee und Wind zusammen sind die kritischere Lage als jeder Wert für sich.
| Warnereignis Flachland | In 6 Stunden | In 12 Stunden |
|---|---|---|
| Schneefall | 5 bis 10 cm | 10 bis 15 cm |
| Starker Schneefall | 10 bis 20 cm | 15 bis 25 cm |
Was leiten Betreiber daraus ab?
Ob ein Schirm bei Schnee geöffnet bleiben darf, richtet sich nach den freigegebenen Unterlagen der Ausführung und nach Ihren Betriebsregeln. Gibt es dazu keine Freigabe, schließen Sie den Schirm bei Schneefall und entfernen aufliegenden Schnee vorsichtig vom Boden aus, ohne Gegenstände einzusetzen, die das Gewebe beschädigen.
Wer Schirme im Winter nutzen will, etwa auf einer Weihnachtsmarkt-Terrasse oder einem Hotelvorplatz, bespricht das vor dem Kauf: Welche Last ist zu erwarten, welcher Nachweis ist nötig, wer räumt? Für feste Wintersituationen sind Segel- und Membrankonstruktionen mit statischem Nachweis oft die bessere Wahl.
- Zuständigkeit für Schließen und Räumen im Winter festlegen
- Schneelast nur über einen projektbezogenen Nachweis zusagen lassen
- Befestigung und Mast auf Standfestigkeit prüfen, wenn Schnee und Wind zusammentreffen
- Nach dem Winter Bespannung und Gelenke auf Schäden prüfen
Wie räumen Sie Schnee sicher und gewebeschonend?
Wenn Schnee auf einem Schirm liegt, ist Eile selten nötig, Vorsicht aber immer. Stellen Sie sich nicht unter das Schirmdach, solange Schnee aufliegt, denn eine abrutschende Auflage kann plötzlich nachgeben. Räumen Sie nach Möglichkeit vom Boden aus und mit weichen Hilfsmitteln. Scharfe Kanten, Schaufeln und Eispickel beschädigen das Gewebe und die Nähte.
Öffnen oder schließen Sie einen Schirm mit Schneelast nicht gewaltsam. Eine Schneelast belastet Mechanik und Gewebe in der Bewegung zusätzlich, und dafür liegt kein Nachweis vor. Im Zweifel lassen Sie den Schirm stehen, bis der Schnee abgetaut ist, und prüfen ihn danach auf Verformungen, Risse und Schäden an Haken und Gelenken.
Was tun, wenn die Fläche im Winter gebraucht wird?
Für den Winterbetrieb mit Gästen, etwa bei einer Außengastronomie mit Heizstrahlern, ist ein Schirm ohne Schneenachweis kein tragfähiges Konzept. Hier kommen Systeme mit statischem Nachweis in Betracht: Membrankonstruktionen oder fest verspannte Segel, die für Schnee berechnet sind. Mehr dazu auf unserer Seite zur textilen Architektur und im Ratgeber zur Entscheidung zwischen Gastroschirm und fester Überdachung.
Fazit
Der Schirm im Schnee zeigt, was in einer Situation möglich war. Als Planungsgrundlage taugt erst ein Nachweis für Ihre Konfiguration. Bis dahin gilt: bei Schnee schließen.


