Textile Architektur für Planer: Großschirm oder Membrandach
Aktualisiert: 2. Okt.
Textile Architektur im Außenraum umfasst alles, was mit einer gespannten Membran überdacht: das fest gebaute Membrandach, das Sonnensegel zwischen Masten oder Fassade und den Großschirm, der als fertiges Bauteil auf einem Fundament steht. Großschirme und Trichterschirme sind die bewegliche, seriell gefertigte Form dieser Bauweise. Sie lassen sich schließen, versetzen und in vielen Größen kombinieren, ohne dass für jedes Projekt ein eigenes Tragwerk entworfen werden muss. Schicken Sie uns Lageplan und Nutzung Ihrer Fläche: Angebot anfordern.
Ein Innenhof, ein Platz vor dem Rathaus, eine Hotelterrasse: Der Entwurf verlangt eine leichte, helle Überdachung, aber kein Gebäude. Planer wägen dann ab, ob ein Membrandach, ein Segel oder eine Gruppe von Schirmen die Aufgabe löst. Dieser Beitrag ordnet die Schirme in die textile Architektur ein und zeigt, wann welche Lösung passt. Individuelle Überdachungen jenseits des Schirms finden Sie auf unserer Seite Membranbau und textile Architektur.
Auf einen Blick
Membrandach, Sonnensegel und Großschirm nutzen dasselbe Prinzip: Eine textile Membran trägt nur auf Zug und wird durch Vorspannung in Form gehalten.
Ein Membrandach wird für den Ort entworfen und berechnet. Großschirme gibt es als fertige Bauteile, beim IPOMEA classic pro bis 7 × 8 m und ø 10 m, beim Trichterschirm IPOMEA tulip bis 8 × 8 m.
Beim Großschirm verbinden Regenrinnen die Schirmdächer zu einer Fläche, beim Trichterschirm läuft das Regenwasser durch den Mast ab.
IPOMEA GmbH aus Gilching bei München liefert Schirme, Membran, Befestigung und Planungsunterlagen für Architekten, Kommunen, Hotellerie und Gastronomie.

Was zählt zur textilen Architektur im Außenraum?
Textile Architektur, auch Membranbau genannt, baut mit dünnen, flächigen Materialien, die nur Zug aufnehmen, aber keinen Druck. Damit eine Membran ihre Form hält, wird sie vorgespannt, an Rändern, Masten oder Bögen. Typische Werkstoffe sind PVC-beschichtetes Polyestergewebe, PTFE-beschichtetes Glasgewebe und ETFE-Folie. Für die Bemessung solcher Tragwerke gibt es seit November 2023 in Europa die Vornorm CEN/TS 19102 „Design of tensioned membrane structures“.
Im Außenraum begegnen Planern vor allem drei Formen. Das Membrandach ist ein Bauwerk: Stahl- oder Holzkonstruktion, Membran und Fundamente werden für den Standort entworfen, berechnet und genehmigt. Das Sonnensegel spannt eine Membran zwischen feste Punkte an Masten oder Fassaden. Der Großschirm bringt Tragwerk und Membran als ein Bauteil mit, das auf einer Bodenhülse oder einem Standrahmen steht und sich öffnen und schließen lässt. Der Trichterschirm ist die Sonderform, bei der die Membran wie ein Kelch zur Mitte fällt.
Wo stehen Großschirm und Trichterschirm gegenüber Membrandach und Sonnensegel?
Die Unterschiede liegen weniger in der Membran als in Tragwerk, Planung und Nutzung. Die Tabelle stellt die beiden Wege nebeneinander.
Merkmal | Großschirm und Trichterschirm | Membrandach und Sonnensegel |
|---|---|---|
Tragwerk | Mast, Tragarme und Membran als fertiges Bauteil | für den Ort entworfen, mit eigener Berechnung |
Größen | festes Programm, über 150 Größen in allen Baureihen | frei, je Projekt |
Bewegung | lässt sich schließen und mit einer Schutzhülle abdecken | in der Regel dauerhaft gespannt |
Fundament | je Schirm eine Bodenhülse, Maß im Angebot; auch ohne Tiefbau im Standrahmen | je nach Tragwerk mehrere Fundamente und Anschlüsse |
Entwässerung | Regenrinnen zwischen den Schirmen oder Ablauf durch den Mast | über die Form der Membran zu festen Tiefpunkten |
Die Tabelle ist ein Auszug: Wir liefern über 150 Größen. Weitere Größen im Überblick

Wann passt der Schirm, wann das Membrandach?
Ein Schirm passt, wenn eine Fläche saisonal oder wechselnd genutzt wird, wenn sie später umgebaut werden soll oder wenn eine feste Überdachung dort nicht zulässig ist. Die Lokalbaukommission München nennt bewegliche Sonnenschirme ausdrücklich als Wetterschutz für Freischankflächen, feste Überdachungen im öffentlichen Raum sind dort in der Regel ausgeschlossen (Lokalbaukommission München, Juni 2025).
Ein Membrandach passt, wenn eine freie Form, eine sehr große stützenfreie Spannweite oder der Anschluss an ein Gebäude verlangt ist. Zwischen beiden liegt der Trichterschirm: Er wirkt wie ein Stück Membranarchitektur, wird aber als Serienbauteil geliefert und auf einer Bodenhülse gesetzt.
Großschirm oder Trichterschirm: Welche Bauform passt?
In der Funktion sind sich beide ähnlich, sie unterscheiden sich vor allem in der Form und in der Wasserführung. Der Großschirm IPOMEA classic pro steht im Raster. Sein Mast aus Aluminium misst 100 mm im Durchmesser bei 5 mm Wandstärke, und Regenrinnen zwischen den Schirmen verbinden die Dächer zu einer wasserdichten Fläche. Für Dauerbetrieb gibt es viele Größen in verstärkter Ausführung mit zwölf statt acht Tragarmen. Wie Schirme mit Rinnen verbunden werden, zeigt der Beitrag Sonnenschirme mit Regenrinne verbinden.
Beim Trichterschirm IPOMEA tulip fällt die zweifach gekrümmte Membran zur Mitte. Das Regenwasser läuft verdeckt zwischen Innenmast und Außenrohr nach unten, mehrere Schirme stehen in der Höhe versetzt und greifen an den Rändern übereinander. Den tulip fertigen wir selbst, quadratisch von 3 × 3 bis 7 × 7 m, rund mit ø 4, 5 und 6 m und mit 8 × 8 m als verstärkten tulip pro. Aufbau, Größen und Wasserführung erklärt der Beitrag Trichterschirm und Regenwasser.
Heizstrahler gibt es an den Großschirmen IPOMEA classic und classic pro, nicht am tulip. Licht und elektrischen Antrieb gibt es für beide Bauformen.

Welche Membran passt zu welchem Ort?
Die Bespannung der Großschirme gibt es in drei Qualitäten. IPOTex-Poly mit 230 g/m² ist die Grundausstattung, IPOTex-Acryl mit 300 g/m² ist spinndüsengefärbt und hat eine hochwertige Oberfläche. IPOTex-PVC mit 480 g/m² ist als einzige der drei schwer entflammbar nach DIN 4102-1 (B1), abwischbar und auf eine Nutzungsdauer von bis zu 20 Jahren ausgelegt.
Die Membran des tulip besteht aus Polyestergewebe mit 250 g/m², beidseitig acrylbeschichtet, mit einer Wassersäule von 1.000 mm. Auch sie gibt es PVC-beschichtet: reißfest, wasserdicht, B1 nach DIN 4102-1 und für Temperaturen von −30 bis +70 °C ausgelegt. Für den öffentlichen Raum empfehlen wir bei beiden Bauformen PVC. Mast und Blende des tulip liefern wir in Weiß, Anthrazit oder einer anderen RAL-Farbe, sodass sich die Schirme in Fassade und Freiraum einfügen.
Was ist bei Fundament, Entwässerung und Genehmigung zu klären?
Fundament: Jeder Schirm steht in einer Bodenhülse, die bauseits einbetoniert wird, oder er steht ohne Tiefbau in einem Standrahmen mit Gabionen, Betonplatten oder einem Sitzelement aus Sichtbeton. Das Fundamentmaß nennen wir im Angebot. Alles Weitere steht im Beitrag Fundament für Großschirme planen.
Entwässerung: Beim Großschirm wird festgelegt, in welche Richtung die Rinnen ablaufen. Beim Trichterschirm genügt ein bodenbündiger Auslass am Fußpunkt, auf Wunsch läuft das Wasser über einen Anschluss an ein bauseitiges KG-Rohr in die Drainage.
Genehmigung und Standsicherheit: Welche Freigabe nötig ist, regeln Landesbauordnung, Satzung und Sondernutzung der Stadt. Einen Überblick gibt der Beitrag Außengastronomie: Genehmigung und Vorschriften. Für öffentliche Plätze erstellen wir auf Wunsch einen prüffähigen Standsicherheitsnachweis für den konkreten Standort; was dazugehört, steht im Beitrag Windfeste Großschirme für öffentliche Plätze.
Was bekommen Planer und Architekten von uns?
Für Ausschreibung und Werkplanung liefern wir die Unterlagen, die ein Schirm als Bauteil braucht. Leistungstexte erhalten Sie als Word-Datei, gegliedert nach Ausführung, Antrieb, Traggestell, Verbindungstechnik, Bespannung und Befestigung. Das Fundamentmaß steht im Positionstext der Bodenhülse, damit der Tiefbau sofort kalkulieren kann.
Aus einem Foto Ihrer Fläche erstellen wir auf Wunsch eine Visualisierung mit Anordnung und Fundamentlage, für den Trichterschirm auch Entwurfsskizzen. Die Windwerte unserer Großschirme hat ein externes Ingenieurbüro für Tragwerksplanung je Größe berechnet; ein IPOMEA classic pro mit 5 × 5 m ist zum Beispiel bis 76,7 km/h ausgelegt. Den Wert für Ihren Standort und Ihre Ausführung nennen wir im Angebot. Die Bodenhülsen liefern wir vorab, damit das Fundament stehen kann, bevor die Schirme kommen.
Beispiele aus unseren Projekten
In einer Stadt in Tirol stehen seit 2021 vier IPOMEA tulip mit 7 × 7 m. Ihre Masten sind auf rund 4,5 bis 6 m verlängert, sodass die Schirme auf mehreren Höhen ineinandergreifen. Die Konstruktion haben wir an die Statik des Standorts angepasst, jeder Schirm trägt zwölf LED-Profile in RGB mit DMX-Steuerung.
Ein Verband in Baden-Württemberg hat 2021 vier tulip mit 6 × 6 m auf vier Höhen zwischen 3,8 und 5,3 m bestellt, aufgedübelt und mit PVC-Bespannung. Ein Weingut in der Pfalz hat 2025 fünf IPOMEA classic pro von 4 × 6 bis 6 × 6 m mit Speichenverstärkung bekommen, verbunden über 18 m Regenrinne aus PVC.
Häufige Fragen
Was versteht man unter textiler Architektur?
Bauen mit gespannten Membranen aus Gewebe oder Folie, die nur Zug aufnehmen. Dazu gehören Membrandächer, Sonnensegel und Großschirme.
Ist ein Großschirm textile Architektur?
Ja. Er nutzt eine vorgespannte Membran auf einem Tragwerk aus Mast und Tragarmen. Anders als ein Membrandach wird er als fertiges Bauteil geliefert und lässt sich schließen.
Wann ist ein Membrandach die bessere Wahl?
Wenn eine freie Form, eine sehr große stützenfreie Spannweite oder der Anschluss an ein Gebäude verlangt ist. Für wechselnd genutzte Flächen und Orte, an denen feste Überdachungen ausgeschlossen sind, eignen sich Schirme.
Wie groß können Großschirme und Trichterschirme sein?
Der IPOMEA classic pro reicht bis 7 × 8 m und ø 10 m, der Trichterschirm IPOMEA tulip bis 8 × 8 m. Über alle Baureihen liefern wir über 150 Größen.
Welche Membran ist schwer entflammbar?
Die PVC-Bespannung, nach DIN 4102-1 in der Klasse B1. Wir empfehlen sie für den öffentlichen Raum.
Wie wird das Regenwasser abgeleitet?
Beim Großschirm über Regenrinnen zwischen den Schirmen, die am Ende der Rinne ablaufen. Beim Trichterschirm läuft es durch den Mast zum Fußpunkt oder auf Wunsch in ein KG-Rohr.
Ihr Projekt mit uns planen
Großschirme und Trichterschirme sind die Form der textilen Architektur, die sich schließen, versetzen und als Serienbauteil ausschreiben lässt. Schicken Sie uns Lageplan, Nutzung und Standort, und wir schlagen Bauform, Größen, Membran und Befestigung vor, auf Wunsch mit Visualisierung und Leistungstext. Sie erreichen uns unter 08105 7989715 oder über unsere Kontaktseite.
Stand: Oktober 2026 · Sebastian Koch, IPOMEA




















